Engagement

„Ein Quartier wie der PHOENIXHOF funktioniert nur ganzheitlich“

Die Baubetreuung Essen entwickelt und verwaltet nicht nur Immobilien, sondern agiert auch als Quartiersgestalter der stets den ganzheitlichen Ansatz in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt. Daher erachten die Verantwortlichen zum Beispiel auch die Förderung von Kunst und Kultur im Quartier als selbstverständlich. Dies spiegelt sich insbesondere durch eine Vielzahl kreativer Ansätze auf dem PHOENIXHOF wieder. Sowohl bei Neubauprojekten als auch bei den Bestandsentwicklungen bemühen sich die geschäftsführenden Gesellschafter zusammen mit ihren Fachplanern um eine nachhaltige Entwicklung des Areals. Wir sprachen mit den Quartiersentwicklern Jörg und Wolfgang Essen über dieses Engagement – wie es begründet ist, was sie motiviert und vieles mehr …

Im Gespräch mit den Quartiersentwicklern Jörg und Wolfang Essen

Sehr geehrte Herren, seit rund einem Viertel Jahrhundert befindet sich das ehemalige Industrieareal in einem permanenten Veränderungsprozess. Welche Bedeutung kommt der Kunst und der Kultur generell bei der Entwicklung eines Arbeitsquartiers zu?

Nun, unsere Ausrichtung des Quartiers strebt gerade nicht in die Richtung eines Arbeitsquartiers. Wir wissen heute, dass die Mischung aus Arbeit, Wohnen und Freizeit ab einer gewissen Größenordnung der Immobilienentwicklung extrem wichtig ist. Für eine Vielzahl von Arbeitswelten gerade in Großstädten ist diese Mischung auch während des Arbeitstages wichtig. Wir nehmen heute unseren Arbeitsplatz mit nach draußen, setzen uns mit dem gesamten Team auf die Terrasse oder mit unserem Laptop auf einen Stein im Pocketpark, machen fünf Minuten ein paar Yogaübungen am Wasserspiel, genießen beim Entwerfen einer Kreatividee einen traumhaften Café Latte aus der im Erdgeschoss gelegenen Kaffeerösterei oder nutzen die Bühne des ansässigen Theaters für einen Workshop. Kunst und Kultur sind die bedeutenden Bereiche des Menschseins. Sie zu fördern war immer auch Wunsch in unserer Familie. Kunst dient der Freude, des Genusses, der intellektuellen Auseinandersetzung und kann zusätzlich für ein Quartier auch identitätsstiftend sein.

Kunst und Kultur sind die bedeutenden Bereiche des Menschseins.

Jörg Essen

Zunehmend siedeln sich auch Akteure des Kulturbetriebs im Quartier an – was sagt das über den Standort aus?

Es kann nichts aber andererseits auch sehr viel über den Standort aussagen. Für dieses Quartier soll die Antwort in Attributen, die wir hier als Rahmen zur Verfügung stellen, gegeben werden: Kosten- und zeitliche Sicherheit, Individualität mit hoher Wiedererkennung, Charme, interessanter Nutzermix, kreative Impulse, wertige Verweilqualitäten, Verlässlichkeit …

Am PHOENIXHOF gibt es kulturell allerlei zu entdecken – seien es Denkmäler der industriellen Vergangenheit oder neu hinzukommende Skulpturen. Was sind hier Ihre Empfehlungen?

Ein Miteinander und Wertschätzungen der Nutzer untereinander sowie Raumkonversion schaffen, damit das Quartier leben kann. Mit den industriellen „Denkmälern“ spielen Sie wahrscheinlich auf die historischen Gebäude an. Wir haben diese Gebäude nicht nur saniert, sondern sie auch städtebaulich freigestellt und ihnen so eine neue eigene Strahlkraft und Identität zurückgegeben. Unser Selbstverständnis ist es auch Kunst ins Quartier zu bringen. Die „Anwesenheit“ von Kunst fördert nicht nur die Wertigkeit von Aufenthaltsqualitäten, sondern lässt auch eine Grundhaltung erkennen, die wir mit unseren Nutzern und den Besuchern leben wollen. Unsere Empfehlung ist Kunst und Kultur zu einem integrativen Miteinander zu optimieren. Kunstschaffende, Kunsttreibende und Kunstaffine finden sich als Mieter in eigenen und ergänzenden Rollen wieder. So sind heute Theatertreibende, Tanzchoreographen, Filmmusikproduzenten, Konzertveranstalter, ein Verlag für Mangas und eine Designakademie, als auch Firmen, die durch Veranstaltungen wie Lesungen, Kunstausstellungen u.ä. die Kultur fördern, aktive Mieter des Quartiers.

“Lebendige vielfältige Freiräume bilden einen unverwechselbaren Ort."

Wo früher Zäune das Areal abriegelten, bewegen sich heute ganz selbstverständlich Menschen durch das Quartier und nutzen die Möglichkeit zum Verweilen.

Ja, tatsächlich war es nur den dort beschäftigten Arbeitern und wenigen Angestellten des vormals industriell genutzten Areals möglich, die Grundstücke zu betreten. Alle Zufahrten waren mit Toren versehen und dort wo keine Gebäude standen, stieß man auf hohe Mauerwände oder Zäune, die vor Eindringlingen und Diebstahl schützten. Eigentlich interessierte sich keiner für einen schmutzigen, stinkenden und lauten Produktionsstandort. Auch die von uns geöffneten und teilweise geschaffenen Zuwegungen und Durchwegungen bei den Häuserzeilen waren früher mit Toren versehen und führten auf gepflasterte Hinterhöfe. Dort standen die für die Arbeiterwohnungen gezimmerten Gemeinschaftslatrinen und einfache Schuppen für die Fuhrwerke oder Pferde. Heute kann man feststellen, dass durch unsere Eingriffe das Quartier in vielen Bereichen einen fast öffentlichen Charakter mit hohen Aufenthaltsqualitäten für eine Vielzahl von Menschen erhalten hat. So agieren hier Nutzer, Besucher und Anwohner in einem lebhaften Miteinander. Die Mischung von verschiedenartigen Nutzungen der Gebäude mit ihren intimen inneren Höfen, ihren halböffentlichen Räumen und Ebenen, ihren gemeinschaftlichen Außenflächen und campusartigen Plätzen unterstützt diese ansprechende Situation. Lebendige vielfältige Freiräume bilden einen unverwechselbaren Ort.

Was sind die wesentlichen Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Nachverdichtung und Ökologie in einem Quartier wie dem Phoenixhof?

Seit Beginn unseres Engagements haben wir diesen beiden Polen unsere Aufmerksamkeit geschenkt. Nachdem es zunächst galt, dem „unwirtlichen“ Industrieareal Qualitäten für einen umsetzbaren Nutzermix abzugewinnen, hatten wir mit zunehmendem Erfolg bei der Vermarktung der Flächen in revitalisierten Gebäuden oder Neubauten bereits frühzeitig den ökologischen Aspekten Räume gegeben. Aktuell und für die Zukunft gilt für uns die Ausgewogenheit zwischen attraktiven Mietflächen und Natur sowie Freiräume als Symbiose weiter zu entwickeln. Hier sehen wir uns als „Schaffer“ von Atmosphäre, die dazu anregen soll von Menschen genutzt, anerkannt und sogar geliebt zu werden, damit alle respektvoll mit der Natur- und Arbeitswelt umgehen können.

Aktuell und für die Zukunft gilt für uns die Ausgewogenheit zwischen attraktiven Mietflächen und Natur sowie Freiräume als Symbiose weiter zu entwickeln

Wolfgang Essen

Worin sehen Sie kulturelle Entwicklungspotenziale in den kommenden Jahren im Quartier?

In den vergangenen Jahren konnten bereits diverse verschiedenartige Veranstaltungen wie z.B. Kunstausstellungen, Konzerte, Liederabende oder Tanzveranstaltungen erlebt werden. Für die Zukunft sehen wir hier neben einer Fortsetzung und Erweiterung derartiger Formate vor allem ein Potenzial durch die Urbanisierung des unmittelbaren Umfelds. Nicht nur das Quartier hat sich so positiv entwickelt, sondern die Entwicklung von Wohnungen und Büros hat im Umfeld zu einer hohen Zahl von neuen Nachbarn geführt. Privatorganisierte oder nachbarschaftliche bzw. vom Bezirk Altona initiierte Events werden den PHOENIXHOF zunehmend stärker einbeziehen können. So ist es vorstellbar, dass Mieter sich zusammentun um ein gemeinsames Angebot für ein nachbarschaftliches oder regional ansässiges Publikum durchzuführen. Andererseits werden es sich öffentliche Veranstaltungen nicht nehmen lassen, das Areal zu entdecken.